Punktgenaue Polarisierung: Nikolaus Blome über Politiker-Klischees
Nikolaus Blome will polarisieren. Und das gelingt ihm punktgenau. "Warum Politiker besser sind als ihr Ruf", heißt es schon im Untertitel dieses Buches, und er hat eine Streitschrift vorgelegt, die von keinem Politiker hätte besser verfasst werden können. In Zeiten des allgegenwärtigen "Politik(er)-Bashings" ist das sicher eine sinnvolle Ergänzung des abgegriffenen Mainstreams.
Der erfahrene Springer-Haudegen Blome (Welt, Bild) greift systematisch Vorurteile gegen politisch Tätige auf, um ihnen Argumente entgegen zu setzen. Zum Beispiel die weit verbreitete Ansicht, Politiker seien eitel und machten "nur Show". Da erklärt uns der schreibende Journalist, dass es ohne "Zurschaustellung der eigenen Person" in der Politik nicht gehe: "Eitelkeit ist eine Notwendigkeit, keine Sünde". Schließlich wollten Politiker mit ihren Ansichten, für die sie die Wähler in die Parlamente geschickt haben, ja auch öffentlich wahrgenommen werden. Und weil sie zu deren Durchsetzung auch Macht brauchen, hat sich nach Ansicht von Blome auch gleich das Argument entkräftet, Politiker seien machtgeil. Und was ist mit der Feststellung, dass Politiker ja "immer nur streiten"?
Stimmt, attestiert der Autor: Denn Streit sei Fortschritt. Ohne streitbare Geister wie Kopernikus, Galilei oder Einstein wäre die Gesellschaft nicht voran gekommen, und Politiker müssten eben ihre Argumente und Ideen zugespitzt in die öffentlichen Auseinandersetzung einbringen. Hinterzimmer gebe es trotzdem, und das findet Blome auch gut so: Vertraulichkeit bedeute eben nicht automatisch Verschwörung.
Letztlich wird man auf diesen gut 150 Seiten angeregt zum Nachdenken über das eigene Politikerbild. "Schizophren" sieht Blome das, was überall anzutreffen ist: Einerseits die Forderung nach durchsetzungsfähigen Volksvertretern, die sich für die eigene inhaltliche Richtung einsetzen, andererseits die Kritik an der Vorgehensweise in diesem "Geschäft" - von der Orientierung an der Macht bis zu den Umständen von Absprachen. Zuweilen driftet der Autor leider aber auch in eine ideologische Ecke ab. So bemängelt er, dass der Begriff Führung in Deutschland immer noch mit "Führer" in Verbindung gebracht werden, nicht ohne sarkastisch zu klagen: "Schönen Dank dafür, ihr lieben Achtundsechziger." Aber im Gesamtbild wird diese gewollte Einseitigkeit dann wieder Nutzen bringend: Das Buch ist eine notwendige Ergänzung der allzu gegenwärtigen parteien- und politik(er)kritischen Monoliteratur! (Frank Überall)
Nikolaus Blome: "Faul, korrupt und machtbesessen? Warum Politiker besser sind als ihr Ruf", wjs Verlag 2008, 157 Seiten, 16 Euro, ISBN 3937989420
